Vortrag bei der Wirtschaftskammer Kärnten: Was KI im Betriebsalltag wirklich abnimmt
Wie ein Mechaniker per Sprache einen Auftrag ins ERP bringt und warum am Ende immer ein Mensch bestätigt: drei Beispiele aus meinem Vortrag bei der Wirtschaftskammer Kärnten.
Ein Mechaniker steht mit öligen Händen zwischen zwei Autos und spricht einen Satz ins Handy. Wenige Sekunden später liegt der Auftrag im ERP, mit Positionen, Arbeitszeit und Preisen, und wartet nur noch auf seine Bestätigung. Dieses Beispiel habe ich am 21. Oktober 2026 beim Business-Frühstück der Wirtschaftskammer Kärnten gezeigt, das gemeinsam mit DIH SÜD stattfand. Mein Name ist Anton Kudrin. Ich bin Gründer von BrumeCore in Klagenfurt und entwickle Software und Automatisierungen für Betriebe in Österreich.
Thema des Vormittags waren KI-Agenten, also KI, die nicht nur Texte schreibt, sondern mit den Programmen eines Betriebs arbeitet. Neben mir haben Michael Roth von der CU Hochschule Kärnten und Martin Kompan von Step One Consulting gesprochen. Meine Frage war eine ganz praktische: Was kann KI einem Mitarbeiter an einem normalen Arbeitstag tatsächlich abnehmen?
Suchen, kopieren, dokumentieren, eintippen
Nehmen wir einen Betrieb hier in Kärnten, kein Start-up. Über den Tag verteilt tauchen immer wieder dieselben Handgriffe auf: Unterlagen suchen, Daten ins ERP tippen, im Büro anrufen, abends einen Bericht schreiben, ein Angebot vorbereiten. Das hat sich niemand so ausgedacht. Es ist einfach so gewachsen. Genau um diese Stellen ging es in meinem Vortrag, gezeigt an drei Szenen.
Die Szenen sind Beispiele dafür, wie so etwas im Alltag aussehen kann, keine Berichte aus einzelnen Kundenprojekten. Gemeinsam haben sie eines: Am Ende entscheidet immer ein Mensch.
Szene 1: Muss ein Mechaniker wirklich ein ERP bedienen?
Eine Kfz-Werkstatt, Hebebühne 3, Viertel nach zehn. Mit öligen Händen tippt niemand gern Positionen in ein Warenwirtschaftsprogramm. Also spricht der Mechaniker einfach ins Handy: Beim Golf vorne Bremsscheiben und Bremsbeläge getauscht, zwei Stunden Arbeitszeit, dazu Bremsflüssigkeit gewechselt.
Daraus entsteht ein Auftrag mit allen Positionen, der Arbeitszeit und den Preisen aus dem ERP. Der wichtige Moment kommt danach: Der Mechaniker sieht alles auf einen Blick und bestätigt. Nichts wird blind verbucht. Erst dann wird das ERP aktualisiert, der Arbeitsbericht erstellt und die Rechnung vorbereitet.
Wir ersetzen das ERP nicht. Wir verändern, wie der Mitarbeiter damit arbeitet.
Das ERP bleibt, die Daten bleiben, die Abläufe bleiben. Sprache wird zur Bedienoberfläche, gerade für alle, die nicht am Schreibtisch sitzen.
Szene 2: Der Servicetechniker vor Ort
Halle 2, kurz nach halb acht. Eine Hebebühne zeigt den Fehlercode E42. Heute sieht der Weg zur Lösung oft so aus: Typenschild suchen, die passende Anleitung finden, ein langes PDF durchblättern, vielleicht im Büro anrufen, alte Berichte durchsuchen.
Mit einem KI-Assistenten macht der Techniker ein Foto oder scannt einen QR-Code. Das System erkennt die Anlage, findet die richtige Anleitung und die Servicehistorie. Auf seine Frage, was er prüfen soll, bekommt er drei konkrete Schritte, mit Quelle: Servicehandbuch, Seite 84. Er kann also nachsehen, ob die Antwort stimmt. Nach der Reparatur sagt er einen Satz, und der Servicebericht ist vorbereitet. Er prüft ihn und bestätigt.
Die KI repariert die Anlage nicht. Der Techniker repariert sie. Die KI bringt ihm das richtige Wissen im richtigen Moment.
Szene 3: Dasselbe Prinzip im Büro
Ein Verkäufer kommt aus einem Kundentermin und sagt: Herr Müller braucht 25 Stück von Modell X, Lieferung möglichst bis Ende November, wie beim letzten Auftrag acht Prozent Rabatt. Wenn wir in zwei Wochen nichts hören, bitte nachfassen.
Spannend ist dabei nicht der Angebotstext. Spannend ist, dass ein gesprochener Absatz gleich mit mehreren Programmen arbeitet: Kunde im CRM finden, Konditionen prüfen, aktuelle Produktdaten holen, Angebot vorbereiten, Gesprächsnotiz anlegen, Wiedervorlage in zwei Wochen setzen. Auch hier bestätigt am Ende der Mitarbeiter. Aus einem Gespräch wird so ein geordneter Ablauf.
Warum die KI dabei nie allein entscheidet
Ein Sprachmodell allein kennt weder Ihre Kunden noch Ihr ERP, Ihre Abläufe oder Ihre Unterlagen. Ein funktionierender Ablauf entsteht erst, wenn vier Dinge zusammenkommen: die KI, das Wissen Ihres Unternehmens, die Software, mit der Sie arbeiten, und klare Abläufe. Der Nutzen steckt in der Verbindung, nicht im Modell.
Sobald die KI aber mit Ihren Programmen verbunden ist, stellt sich sofort die Frage: Was darf sie dann eigentlich? Meine Antwort: keinen Generalschlüssel, sondern gestufte Rechte.
- Lesen, verstehen, vorschlagen: automatisch.
- Bestätigen: durch den Menschen.
- Ausführen: erst nach dieser Freigabe.
Mehr Rechte bekommt die KI erst dort, wo ein Ablauf nachweislich zuverlässig läuft. So entsteht Vertrauen, im Team und bei der Geschäftsführung.
Drei Situationen, ein Prinzip
Werkstatt, Service und Vertrieb sehen sehr verschieden aus. Dahinter steckt aber immer derselbe Ablauf:
- Verstehen: Ein Mensch spricht oder schreibt ganz normal, die KI versteht, worum es geht.
- Kontext: Sie bekommt das passende Wissen aus Ihrem Betrieb, etwa Kundendaten, Preise oder Anleitungen.
- Aktion: Sie bereitet einen klaren nächsten Schritt vor.
- Kontrolle: Wo es zählt, entscheidet der Mensch.
Mehr Technik muss ein Unternehmer nicht kennen, um zu beurteilen, ob ein KI-Projekt sinnvoll aufgebaut ist.
Die beiden anderen Vorträge haben das von zwei Seiten ergänzt: Michael Roth riet, nicht beim Werkzeug anzufangen, sondern bei einer konkreten Aufgabe. Martin Kompan erinnerte daran, dass gekaufte Lizenzen noch keine Veränderung im Unternehmen sind. Den ganzen Bericht der Wirtschaftskammer finden Sie auf wko.at.
Wo Sie anfangen können
Zum Schluss habe ich dem Publikum eine Frage mitgegeben. Wenn Sie morgen mit KI beginnen möchten, fragen Sie nicht zuerst, wo Sie KI einsetzen können. Fragen Sie lieber: Welche Arbeit machen unsere Mitarbeiter jeden Tag von Hand, obwohl sie eigentlich niemand von Hand machen müsste?
Ein Rechenbeispiel zeigt, warum sich diese Frage lohnt. Spart ein Mitarbeiter durch eine Automatisierung 20 Minuten am Tag, sind das bei 220 Arbeitstagen rund 73 Stunden im Jahr. Bei 40 Euro pro Stunde inklusive Lohnnebenkosten entspricht das rund 2.900 Euro, für einen einzigen Mitarbeiter und einen einzigen Ablauf. Erledigen fünf Kolleginnen und Kollegen dieselbe Arbeit, sind es schon über 360 Stunden im Jahr. Das ist eine Modellrechnung, keine Zusage, aber sie zeigt die Größenordnung.
Oder anders gesagt: Wo arbeiten Ihre Mitarbeiter heute noch für die Software, statt dass die Software für sie arbeitet? Wenn Sie darauf eine Antwort haben, gilt:
- Klein anfangen. Ein Ablauf, nicht der ganze Betrieb.
- Klare Abläufe wählen. Was heute schon geordnet läuft, lässt sich am besten unterstützen.
- Kontrolle behalten. Die KI schlägt vor, der Mensch entscheidet.
Wer das Thema vertiefen möchte: Die Wirtschaftskammer Kärnten hat für den 11. Mai 2027 den nächsten KI Day im Lakeside Park in Klagenfurt angekündigt.
Weiterlesen
Ob sich ein KI-Projekt für Ihren Betrieb rechnet, zeigt der Beitrag KI-Automatisierung im Mittelstand: Rechnet sich das für uns?. Fünf Routinearbeiten, mit denen viele Betriebe gut starten, finden Sie im Artikel Prozessautomatisierung: Fünf Routinearbeiten, die keiner vermisst. Unseren Ansatz beschreibt die Seite KI- & Prozessautomatisierung.
Ihr Ablauf, 30 Minuten, kostenlos
Haben Sie beim Lesen an einen Ablauf in Ihrem Betrieb gedacht? Dann beschreiben Sie ihn mir in zwei, drei Sätzen. In einem kostenlosen Gespräch von 30 Minuten schauen wir uns genau diesen Ablauf an: ob er sich automatisieren lässt, wie das im Alltag aussehen könnte und ob sich der Aufwand rechnet. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, auch wenn die Antwort lautet, dass es sich nicht lohnt.
Ablauf schildern und Gespräch vereinbaren
Fotos: Jasmin Lopez
Häufig gestellte Fragen
Ein KI-Agent ist ein Programm, das eine Anweisung in normaler Sprache versteht und dann selbst passende Schritte vorbereitet, zum Beispiel einen Kunden im CRM sucht oder einen Auftrag anlegt. Der Unterschied zu einem Chatbot: Er arbeitet mit Ihren Daten und Programmen, nicht nur mit Text.
Am Anfang sollte sie das nicht. Lesen, verstehen und vorschlagen darf sie automatisch, gebucht wird erst nach Bestätigung durch einen Menschen. Mehr Rechte gibt es Schritt für Schritt, dort wo ein Ablauf nachweislich zuverlässig läuft.
Nein. Die KI wird an die bestehenden Programme angebunden. ERP, Daten und Abläufe bleiben, nur die Bedienung wird einfacher, etwa per Sprache statt über viele Eingabemasken.
Bei einer Arbeit, die Ihre Mitarbeiter jeden Tag von Hand erledigen, obwohl es dafür eigentlich keinen Menschen bräuchte: Daten abtippen, Unterlagen suchen, Berichte schreiben. Klein anfangen, einen klaren Ablauf wählen und die Kontrolle beim Menschen lassen.
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